Grundlagen des Klebens

Gemäss DIN EN 923 wird ein Klebstoff als „nichtmetallischer Werkstoff, der Fügeteile durch Flächenhaftung  (Adhäsion) und innere Festigkeit (Kohäsion) verbinden kann“ definiert.

 

Klebstoffe sind Prozesswerkstoffe, die zum Verbinden (Fügeverfahren Kleben) verschiedener Werkstoffe verwendet werden können.

 

Funktionen von Klebstoffen

  • Lastenübertragung
  • Schwingungsdämpfung
  • Abdichten gegen Flüssigkeiten und Gase
  • Ausgleich unterschiedlicher Fügeteildynamiken,
  • Korrosionsschutz
  • thermische und elektrische Isolation oder Leitfähigkeit

 

Klebstoffe können eingeteilt werden nach der Art und Weise, wie sie sich verfestigen. Folgendes sind die wichtigsten Klebstofftypen:

 

Physikalisch abbindende Klebstoffe

 

Chemisch härtende Klebstoffe

Adhäsion umfasst die Haftkräfte an den Kontaktflächen zweier unterschiedlicher oder gleicher Stoffe durch Molekularkräfte. Die Stoffe können sich in festem oder in flüssigem  Zustand befinden. Im Bereich der Klebstoffe  versteht man unter Adhäsion die  Haftung von Klebschichten an den Fügeteiloberflächen. Die Vorgänge bei der Adhäsion sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Sie gestalten sich besonders schwierig, weil die Abhängigkeiten zwischen den Klebstoffsystemen und den verschiedenen  Fügeteiloberflächen sehr komplex sind.

Querschnitt einer Klebung. Grafische Abbildung vom Klebstoff und Fügeteilen. Roter Klebstoff, Orange Fügeteile und Grüner hintergrund

Kohäsion bezeichnet Kräfte, die den Zusammenhalt des Klebstoffs bewirken. Kohäsionskräfte sind für die Zähigkeit und das Fliessverhalten (Rheologie) des unausgehärteten Klebstoffs bei der Verarbeitung sowie für die Festigkeit des ausgehärteten Klebstoffs bei seiner Beanspruchung verantwortlich. Die Kohäsionskräfte in einem Klebstoff werden durch Kennwerte wie  E-ModulBruchdehnung, Temperaturfestigkeit oder Shore-Härte beschrieben.

Oberflächenspannung bezeichnet die Eigenschaft der Oberfläche zwischen einer Flüssigkeit und einem Gas wie Luft. Die Oberfläche einer Flüssigkeit verhält sich ähnlich einer gespannten, elastischen Folie. Dieser Effekt ist beispielsweise die Ursache für die Tropfenbildung von Wasser.

 

Benetzbarkeit bezeichnet das Verhalten von Flüssigkeiten bei Kontakt mit der Oberfläche von Festkörpern. Je nach Flüssigkeit, Oberflächenmaterial sowie deren Beschaffenheit - beispielsweise Rauigkeit - benetzt die Flüssigkeit die Oberfläche mehr oder weniger stark.

 

Werkstoffe mit einer hohen Oberflächenenergie (hochenergetische Oberflächen) lassen sich einfacher durch Klebstoffe benetzen und erzielen deshalb hohe  Verklebungsfestigkeiten.

Hoch- und niederenergetische Stoffe. Zwei Abbildungen mit Winkel der Wassertropfen. niederenergetisch: tief, hochenergetisch: rund

Typische Viskositätswärte. Erdöl - Wasser - Merkur - Blut - Olivenöl. Werte sind in mPa s. Schwarze Schrift auf hellblauem Hintergrund

Die Viskosität ist das Mass für die Zähflüssigkeit eines Fluids. Der Kehrwert der Viskosität ist die Fluidität, das Mass für die Fliessfähigkeit eines Fluids. Je grösser die Viskosität, desto dickflüssiger (weniger fliessfähig) ist das Fluid; je niedriger die Viskosität, desto dünnflüssiger (fliessfähiger) ist es.

Unter dem Begriff Viskosität versteht man in der Regel die Scherviskosität, also den Widerstand eines Fluids gegen Verformung bei Scherbeanspruchung. Darüber hinaus kann auch die Dehnviskosität bestimmt werden, welche das Verhalten eines Materials unter Zug- bzw. Deformationsbelastung beschreibt.

 

Zähflüssige Medien zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Teilchen stärker miteinander wechselwirken und sich weniger frei bewegen können. Dieser Effekt wird häufig als „innere Reibung“ bezeichnet. Dabei beruht die Viskosität nicht ausschliesslich auf den Kohäsionskräften zwischen den Teilchen (Kohäsion), sondern auch auf deren strukturellen und dynamischen Wechselwirkungen.

 

Bei Feststoffen wird anstelle der Viskosität mit Begriffen wie  Duktilität, Sprödigkeit und Plastizität gearbeitet, um das Verformungsverhalten zu beschreiben. Der Begriff Zähigkeit wird im allgemeinen Sprachgebrauch gelegentlich als Synonym für Viskosität verwendet, ist jedoch physikalisch nicht gleichbedeutend.

Abbildung Viskositätswerte. Oben Hochviskoser Stoff in kugelförmiger Grafischer Darstellung. Unten Niederviskoser Klebstoff flach

Für eine gute Benetzung sollte ein Klebstoff möglichst niedrigviskos sein und eine geringere Oberflächenspannung aufweisen als das zu verklebende Substrat. Nur so kann sich der Klebstoff gleichmässig auf der Oberfläche ausbreiten und eine optimale Haftung erzielen.

 

Ein zentrales Kriterium ist dabei der Benetzungswinkel α, der sich zwischen dem flüssigen Klebstoff und der Oberfläche des Fügeteils bildet. Je kleiner dieser Winkel ist, desto besser ist die Benetzung. In der Praxis spricht man von guter Benetzung bei Benetzungswinkeln unter 30°.

Viskositätsstufen mit alpha-Winkel der Ebene/Verklebung. tres bon - bon .- pas suffisant - aucun. Schwarte schrift auf blauem Hintergrund

Kapillarität, auch Kapillareffekt genannt, beschreibt das Verhalten von Flüssigkeiten in engen Strukturen wie Röhren, Spalten oder Hohlräumen innerhalb von Feststoffen.

Ein typisches Beispiel ist ein dünnes Glasröhrchen, das in Wasser eingetaucht wird: Das Wasser steigt im Röhrchen entgegen der Schwerkraft nach oben. Ursache dafür sind die Oberflächenspannung der Flüssigkeit sowie die Wechselwirkungen zwischen Flüssigkeit und fester Oberfläche (Grenzflächenspannung).

 

In der Klebtechnik spielt dieser Effekt eine wichtige Rolle. Niedrigviskose Klebstoffe verfügen über ein gutes Fliessverhalten und können durch den Kapillareffekt selbst in sehr feine Spalten und Poren eindringen. Dadurch wird eine optimale Benetzung und Haftung auch bei komplexen Geometrien ermöglicht.

Abbildung Viskositätswerte. Oben Hochviskoser Stoff in kugelförmiger Grafischer Darstellung. Unten Niederviskoser Klebstoff flach

Die Beanspruchungsarten einer Verklebung werden in den folgenden Grafiken dargestellt. Problematisch für eine klebende Verbindung sind Schäl- und Spaltbelastungen. Hier empfiehlt sich ein mechanisches Befestigungssystem als Alternative.

Die Grundlage jeder zuverlässigen Verklebung ist eine klebstoffgerechte Konstruktion. Entscheidend ist dabei die Auslegung der Klebefläche: Grundsätzlich gilt, je grösser die Klebfläche, desto höher die Festigkeit und Sicherheit der Verbindung.

 

Eine optimale Konstruktion sorgt dafür, dass auftretende Kräfte gleichmässig verteilt werden und Spannungsspitzen vermieden werden.

 

Eine fachgerechte Oberflächenvorbereitung ist entscheidend für eine dauerhafte und zuverlässige Verklebung. Die Qualität einer Klebeverbindung hängt massgeblich von der Klebefähigkeit der Oberfläche ab.

 

In der Praxis lassen sich die meisten Schadensfälle auf konstruktive Mängel oder unzureichend gereinigte Fügeteile zurückführen. Verunreinigungen wie Öl, Fett, Staub oder Feuchtigkeit beeinträchtigen die Haftung erheblich.

 

Für eine optimale Verbindung müssen die Oberflächen daher sauber, trocken und fettfrei sein. Eine geeignete Oberflächenvorbereitung schafft die Grundlage für maximale Haftung und langfristige Beständigkeit der Verklebung.

 

Verarbeitungshinweise 3M Klebebänder

 

Vorbehandlungstabelle Klebebänder

Methoden der Oberflächenbehandlung. Vorbereitung - Vorbehandlung - Nachbehandlung. Orange Grafik auf grünem Hintergrund

Definition Klebebänder

Klebebänder bestehen aus einem Trägermaterial wie Kunststoff, Papier, Textil, Metall oder anderen Werkstoffen, das ein- oder beidseitig mit einem Klebstoff beschichtet ist. Man unterscheidet zwischen einseitig und doppelseitig klebenden Systemen.

Klebebänder werden vielseitig eingesetzt, beispielsweise zum Abdecken, Abdichten, Markieren, Bündeln, Verschliessen, Montieren oder Befestigen.

 

Vorteile von Klebebändern gegenüber Klebstoffen

  • Klebebänder basieren in der Regel auf physikalisch abbindenden, hochviskosen Klebstoffen und haften durch Druck auf der Oberfläche (Pressure Sensitive Adhesives, PSA, druckempfindliche Klebebänder).

     

  • Sie sind bei Raumtemperatur dauerhaft klebrig und müssen weder durch Wasser, Lösungsmittel noch durch Wärme aktiviert werden. Unter normalen Einsatzbedingungen verändern sie ihre Eigenschaften kaum: Sie härten nicht aus, trocknen nicht und gehen keine chemische Reaktion mit der Oberfläche ein.

 

Definition Klebstoffe

Klebstoffe sind Prozesswerkstoffe, die zum Verbinden von Bauteilen eingesetzt werden. Gemäss DIN EN 923 sind Klebstoffe „nichtmetallische Werkstoffe, die Fügeteile durch Adhäsion (Haftung an der Oberfläche) und Kohäsion (innere Festigkeit) verbinden.

 

Vorteile von Klebstoffen gegenüber Klebebändern

  • Insbesondere strukturelle Klebstoffe erreichen deutlich höhere Festigkeiten als Klebebänder.
  • Sie eignen sich auch für Anwendungen mit kleinen Klebflächen, bei denen hohe mechanische Belastungen auftreten.

Die Toxikologie befasst sich mit Giftstoffen, deren Wirkung auf den menschlichen Körper sowie mit der Vorbeugung und Behandlung von Vergiftungen.

 

Viele reaktive Klebstoffe enthalten gesundheitsgefährdende Inhaltsstoffe. Daher ist bei der Anwendung unbedingt das jeweilige Sicherheitsdatenblatt zu beachten, das in der Schweiz für jedes Produkt verfügbar ist. Abhängig vom Produkt und Einsatzbereich sind geeignete Schutzmassnahmen erforderlich, wie das Tragen von SchutzbrillenHandschuhe und Atemschutzmasken.

 

Kennzeichnung von Gefahrstoffen

Das Globally Harmonized System (GHS) ist ein weltweit einheitliches System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien. In Europa erfolgt die Umsetzung über die CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (Classification, Labelling and Packaging). Auch in der Schweiz werden chemische Produkte nach diesem System gekennzeichnet.

Die GHS-Symbole und Gefahrenhinweise helfen dabei, Risiken schnell zu erkennen und geeignete Schutzmassnahmen abzuleiten. Weiterführende Informationen bietet das entsprechende Merkblatt sowie die kantonalen Fachstellen für Chemikalien (chemsuisse).